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Schuhfabrik August-Wessels

 

Das Fabrikareal der ehemaligen Schuhfabrik in der August-Wessels-Straße 5 inmitten einer Arbeitersiedlung im Augsburger Stadtteil Oberhausen wurde zwischen 1895 und 1920 unter anderem nach Plänen Jean Kellers in mehreren Bauphasen erbaut. Die Schuhfabrik zählte in Betriebszeiten zu den größten deutschen Spezialfabriken für Kneippsandalen, Leinen- , Leder- und Sportschuhwerk. 

 

Augsburg im 19. Jahrhundert

Ausgangspunkt aller industriellen Entwicklungen in Augsburg sind die Standortvorteile zwischen Lech und Wertach.

Diese historische Wasserwirtschaft stellte die Energieversorgung der dort angesiedelten Fabriken sicher. Zudem wurden Lech und Wertach als Transportwege zu Wasser genutzt. Nicht zuletzt auch durch den Ausbau zum Eisenbahnknotenpunkt im Jahr 1838 etablierte sich das Augsburg des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Industriestandort. Die Talauen vor der befestigten Stadt boten damit ideale Voraussetzungen und gewannen deshalb zunehmend an Wert für Augsburgs Stadtentwicklung. 

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Firmengründer August Wessels

Das mächtig wirkende Industriegebäude der ehemaligen Schuhfabrik inmitten der Oberhauser Arbeitersiedlung jenseits des Gaswerkes am Bahndamm Ulm-Augsburg war von 1895 bis 1982 Hauptsitz und Produktionsstandort der August-Wessels-Schuhfabrik. Der gleichnamige Firmengründer August Wessels wurde 1870 im Großherzogtum Oldenburg geboren und äußerte schon in frühester Kindheit den Berufswunsch des Schusters, denn, so Wessels, »Schuhe brauchen die Leute immer. Bei diesem Beruf kann ich mit einem sicheren Verdienst rechnen«. Wessels war seinerzeit einer der größten Arbeitgeber Oberhausens und aufgrund seiner schicksalhaften Kindheit als Vollwaise aus armen Verhältnissen als sozialer Unternehmer bekannt.

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Die Bauphasen

Der repräsentative Firmenkomplex der August-Wessels-Schuhfabrik entstand zwischen 1895 und den 1920er Jahren auf Planungsgrundlagen von Franz Horle, Jean Keller, Philipp Jakob Manz, sowie Eduard Rottmann an der heutigen August-Wessels-Straße 5. Grundlegende Restaurierungsmaßnahmen am Fabrikgebäude, sowie die vollständige Schließung der Gebäudestrukur von einer U-Form zu einer geschlossenen Form um den Innenhof wurden in den 1980er Jahren von Hans Schrammel Architekten in Kooperation mit dem Augsburger Kirchenmalermeister Hans Blöchl vorgenommen. 

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Jean Kellers Erbe: Was ist übrig vom Original?

Die August-Wessels-Schuhfabrik ist noch heute eines der mächtigsten und zugleich bedeutendsten Industriedenkmäler Augsburgs und wurde glücklicherweise weitestgehend von Kriegszerstörung verschont. Mit der Ernennung des Gebäudes zum Einzeldenkmal 1986 wurden am und im Gebäude mit seinen 13.200m² Nutzfläche Restaurationsmaßnahmen vorgenommen, welche jedoch nur geringfügig in die Substanz des Bestandes eingriffen. Da das 20. Jahrhundert jedoch von der Geringschätzung der Stilepoche des Historismus geprägt war, existieren heute kaum mehr originale Plangrundlagen, weshalb nicht abschließend geklärt werden kann, ob neben den Gebäuden der Bauphase von 1903/1904 womöglich auch die Gebäude der Bauphase von 1908 oder 1916 von Jean Keller stammen. 

 

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Dachrandgestaltung Jean Kellers

Die wohl gravierendste Veränderung des Gebäudeteiles von Jean Keller stellt die Aufstockung von 1910/11 um drei Geschosse dar. Im Zuge dessen verschwand der von Jean Keller über eine stehlenartige Fortsetzung der fassadengliedernden Pilaster reich gestaltete Dachrand und das bis dahin existierende Flachdach wurde überbaut und durch ein Walmdach ersetzt. 

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Theresa Huber, Hochschule Augsburg